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Erziehungsstile: Welcher Weg ist der richtige?

Erziehungsstile: Welcher Weg ist der richtige?

Erziehe ich mein Kind lieber autoritär oder ist etwas Laissez-faire doch der bessere Weg? Wir werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Erziehungsstile und was sie für die Entwicklung Ihres Kindes bedeuten.

Mit der Geburt eines Kindes übernehmen die Eltern eine große Verantwortung. Die Erziehung von Kindern sei die wichtigste Aufgabe im Leben eines Menschen, sagt man. Schließlich wünscht sich jede Mutter und jeder Vater, dass das eigene Kind ein glückliches, gesundes sowie erfolgreiches Leben führt. Die Frage ist, welcher Erziehungsstil dazu am besten geeignet ist.

Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung

Woran sich gleich die nächste Frage anschließt, mit der sich die Wissenschaft seit geraumer Zeit befasst: Welchen Einfluss hat die Erziehung überhaupt? Der Forschungsstand geht bei der Entwicklung von Kindern von verschiedenen Faktoren aus:

  • Die Gene spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Persönlichkeit eines Kindes geht. Sie bestimmten zum Beispiel über sein Temperament oder seine Intelligenz. Einige Menschen kommen stressresistenter auf die Welt, andere weniger. Einige sind von Natur aus sehr ordentlich, andere eher unordentlich. Solche grundlegenden Eigenschaften werden dem Kind in die Wiege gelegt.
  • Allerdings erhöhen die Gene nur die Wahrscheinlichkeit für ein Verhalten. Ein unordentliches Kind kann trotzdem zu Ordnung erzogen werden oder ein wenig stressresistentes Kind kann den richtigen Umgang mit Stress lernen. Die Gene bestimmen sozusagen, wie die Persönlichkeit sich entwickeln würde, wenn keine Erziehung stattfinden würde.
  • Die Erfahrungen in der Kindheit und Jugend bestimmen ihrerseits zu gleichen Teilen über die Entwicklung, denn die geht stetig weiter. Erst im Erwachsenenalter verfestigt sie sich allmählich.

Die Erziehung durch die Eltern prägt die Persönlichkeitsentwicklung somit zu rund 50 Prozent, lautet der aktuelle Stand der Forschung. Daraus können Sie zwei wichtige Erkenntnisse gewinnen: Einerseits können Sie einen großen Einfluss auf die Entwicklung Ihres Kindes nehmen. Andererseits beeinflusst auch das Kind selbst, wohin es sich entwickelt – und das können Sie eben nicht immer beeinflussen.

Die „richtige“ Erziehung – was ist das?

Als Eltern müssen Sie daher eine komplexe Herausforderung meistern. Sie sollten Ihrem Kind so viele Freiräume bieten, dass es sich in seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit ganz individuell entwickeln kann – das bedeutet auch, sich als Kind in seinem ganz eigenen Tempo entwickeln zu können. Gleichzeitig müssen Sie Ihrem Nachwuchs ganz grundlegende Dinge beibringen und vorleben, damit es sich in der Welt bestmöglich zurechtfindet. Denn die „Regeln“ des sozialen Miteinanders lernen die Kleinen nicht erst in der Kita.

Wie Sie das machen, ist dann schon wieder eine Frage Ihres Erziehungsstils. Genau genommen geht es darum, wie Sie Ihre Rolle bei der Erziehung Ihres Kindes auslegen:

  • Welche Werte wollen Sie vermitteln?
  • Mit welchen Methoden möchten Sie erziehen?
  • Welche Erwartungen haben Sie an Ihr Kind?

Die „richtige Erziehung“ beschäftigt dabei schon seit Jahrzehnten die Ratgeberliteratur. Die hat eine Fülle verschiedener Erziehungsstile geprägt und voneinander abgegrenzt – selbst, wenn diese Grenzen in vielen Fällen fließend sind. Dazu kommt, dass Erziehung und ihre Schwerpunkte immer gesellschaftliche Entwicklungen wiederspiegeln: Sie geht sozusagen mit der Zeit.

Für Eltern ist das häufig nicht einfach, gerade beim ersten Kind sorgt die große Zahl verschiedener Erziehungsmethoden leicht für Überforderung. Was Sie deshalb immer bedenken sollten: Ihre Erziehung ist so individuell wie Ihr Kind – und Sie selbst. Die vorgestellten Beispiele können Ihnen Orientierung geben, am Ende müssen Sie aber einen Weg finden, der Ihren und den Bedürfnissen Ihres Kindes am meisten entgegenkommt.

Insofern können Sie ganz beruhigt sein: Den „einen“ Weg für die Erziehung gibt es nicht. Solange Sie aber kindliche Bedürfnisse und die individuelle Entwicklung Ihres Nachwuchses in den Mittelpunkt stellen, ist das in jedem Fall ein sehr guter Weg.

Eltern brauchen ein grundlegendes Konzept

Ungeachtet der Frage nach dem Erziehungsstil bleibt die Aufgabe für Eltern eine sehr anspruchsvolle. Sie sollten sich deswegen nicht unter Druck setzen, denn bei der Kindererziehung lernen nicht nur die Kleinen. Auch Sie werden Ihre Erfahrungen machen, werden feststellen, dass bestimmte Methoden besser funktionieren als andere und dass heute schon „falsch“ sein kann, was gestern noch gewirkt hat.

Erziehung ist eben ein fortlaufender Prozess, in dem sich alle mit der Zeit verändern. Spätestens mit der Pubertät wird die Beziehung von Eltern und Kindern nochmals gründlich auf den Kopf gestellt und bisherige Erziehungsmethoden in Frage gestellt. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern von Anfang an ein grundlegendes Konzept verfolgen – und zwar gemeinsam.

Auf diese Weise bieten Sie dem Kind jederzeit klare Regeln und Werte, an denen es sich orientieren kann. Das funktioniert allerdings nur, wenn Sie sich regelmäßig austauschen: Kommunikation ist immer das zentrale Mittel der Erziehung und das nicht nur zwischen Eltern und Kind, sondern genauso zwischen den Elternteilen. Dann ist es im Prinzip schon fast unerheblich, an welchen der vielen Erziehungsstile Sie sich ansonsten orientieren wollen.

Erziehungsstile und was sie ausmacht – einige Beispiele

Werdende Eltern blicken oft mit einer gewissen Unsicherheit auf die spannende und zugleich fordernde Aufgabe, die nach der Geburt des Kindes auf sie wartet. Aus diesem Grund geht der Griff ebenso oft zu Erziehungsratgebern. Das ist legitim, um einen Eindruck von den Möglichkeiten und potenziellen Schwierigkeiten der Erziehung zu bekommen.

Das Problem: Die Beschreibung und Definition unterschiedlicher Erziehungsstile stellt immer eine starke Vereinfachung dar – die es in Ihrem Alltag mit dem Kind so niemals geben wird. Ihr Kind entwickelt sich individuell. Nicht nur wegen seiner genetischen Anlagen, sondern auch wegen seines einzigartigen Umfelds, zu dem vor allem Sie als Eltern gehören.

Sie können sich ohne Frage von der Ratgeberliteratur inspirieren lassen, aber vergessen Sie dabei nicht:

  • Erziehungsstile sind immer geprägt vom Zeitgeist – und der verändert sich eben. Viele Methoden sind deswegen nach heutigem pädagogischem Verständnis nicht mehr nachvollziehbar.
  • Sie müssen daher einen Weg finden, um Ihrem Kind die Art von Erziehung zu bieten, die es am besten bei seiner individuellen Entwicklung unterstützt.

Keine Sorge, dabei dürfen Fehler passieren. Sie können gar nicht alles „richtig“ machen, jedenfalls nicht nach objektiven Gesichtspunkten. Denn jedes Kind ist anders – und wird deshalb auch eine andere Erziehung benötigen.

Autoritäre Erziehung

Bei der autoritären Erziehung stellen die Eltern strenge Regeln auf. Sie bestimmen über den Tagesablauf ihres Kindes, über seine Ernährung, seine Schlafenszeiten und vieles mehr. In der Regel arbeiten sie mit dem Konzept der Belohnung und Bestrafung.

Das Kind nimmt die Eltern daher vor allem als Autoritätspersonen wahr, denn dem Konzept liegt eine klare Hierarchie zugrunde. Dadurch lernt es nur wenig Eigeninitiative und hat kaum Gelegenheit, seine eigene Meinung zu äußern. Deswegen gilt diese Form der Erziehung als veraltet, sie birgt insgesamt zu viele Nachteile für die Entwicklung des Kindes:

  • Zwischen Eltern und Kind herrscht vornehmlich Distanz, keine herzliche Nähe. Das macht sich auch in einem fehlenden Austausch bemerkbar.
  • Dem Kind fehlen wegen der strengen Vorgaben und hohen Erwartungen häufig die Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung: Kreativität, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit bleiben unterentwickelt.
  • Das Prinzip der Unterordnung übertragen die Kinder oft auf andere zwischenmenschliche Beziehungen. Gerade im Umgang mit anderen Kindern wird eine solche Unterordnung erwartet – und schlimmstenfalls durch Aggressivität durchgesetzt.

Grundsätzlich ist es natürlich wichtig, dass Kinder möglichst früh lernen, dass es Regeln gibt, an die sie sich halten müssen. Das muss aber nicht zwangsläufig mit Bestrafungen einhergehen. Außerdem gehören zu solchen Lernprozessen die eigenen Erfahrungen – und die erlaubt die autoritäre Erziehung kaum.

Laissez-faire-Erziehung

Das genaue Gegenteil stellt die antiautoritäre Erziehung dar. Hierbei stellen die Eltern keine Regeln auf und setzen dem Kind keinerlei Grenzen. Die Kinder können demnach tun und lassen, was sie möchten. Die Eltern begeben sich in eine passive Rolle und agieren als „Freund“ des Kindes, nicht als Autoritätsperson.

Der Grundgedanke ist, dem Kind eine freie Persönlichkeitsentfaltung zu ermöglichen – dabei ist es aber auf sich allein gestellt. Das hat unter Umständen einige entscheidende Nachteile:

  • Regeln und Konsequenzen gibt es für das Kind nicht. Dadurch erfährt es große Freiheiten, es fehlen ihm aber auch Orientierungshilfen. Die Folge ist häufig Unsicherheit.
  • Durch das zurückgezogene Handeln der Eltern fehlt den Kindern oftmals die Unterstützung, die sie bräuchten, um eigene Ideen umzusetzen. Das bedeutet auch, dass bestimmte Fähigkeiten und Talente gar nicht gefördert werden.
  • Die sehr Ich-bezogene Art der Erziehung kann sich außerdem auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirken, etwa wenn es darum geht, Freundschaften zu pflegen und langfristig zu erhalten.

In extremen Fällen wird bei der Laissez-faire-Erziehung die Beziehung zwischen Eltern und Kindern dahingehend umgekehrt, dass die Kleinen die Kontrolle über den Familienalltag übernehmen. Dann entscheidet das Kind zum Beispiel, wann gegessen werden soll, was es essen möchte und wo es seine Mahlzeit einnimmt – ohne Rücksicht auf mögliche familiäre Strukturen. Generell können Regeln und Verhaltensstandards, die im sozialen Miteinander allgemein Gültigkeit haben, für Kinder mit einer Laissez-faire-Erziehung problematisch werden.

Demokratische Erziehung

Sowohl der autoritäre Erziehungsstil als auch die Laissez-faire-Methode sind Extrembeispiele für die Kindererziehung. Außerdem müssen sie beide vor dem Hintergrund ihrer Entstehung betrachtet werden:

  • Die autoritäre Erziehung ist im Grunde ein Überbleibsel der Zeit bis in die 1950er Jahre hinein. Klassische Familien- und Rollenbilder waren hier prägend, für das Zusammenleben und eben auch für die Kindererziehung.
  • Die antiautoritäre Erziehung ist als Reaktion darauf zu verstehen und zeitlich mit dem Umbruch der 1960er Jahre verbunden – sie ist ein Ausdruck für den vorherrschenden Wunsch nach Freiheit. Die sollen eben auch schon die Kinder erfahren.

Ähnlich verhält es sich mit der demokratischen Erziehung, die seit den 1980er Jahren mehr und mehr in den Vordergrund rückt. Eltern und Kinder begegnen sich hierbei auf Augenhöhe, es gibt ein Gleichgewicht zwischen festen Regeln und Freiräumen, in denen die Kinder eigene Erfahrungen sammeln und sich entwickeln können.

Für Eltern ist diese Balance natürlich die große Herausforderung. Denn sie bedeutet auch, die Kinder in Entscheidungen mit einzubeziehen und ihre Meinung zu hören. Es sollte trotzdem immer klar sein, dass Sie als Eltern im Zweifelsfall entscheiden. Ansonsten drohen Ihnen schon bei mündigen Kindern unter Umständen lange Diskussionen. Andererseits würde das nur zeigen – Sie haben das Erziehungsziel erreicht und können sich über ein emotional gestärktes, verantwortungsbewusstes und selbstbewusstes Kind freuen.

Finden Sie Ihren Weg bei der Kindererziehung

So gut sich manche Erziehungsratgeber auch in der Theorie lesen, so wenig hilfreich sind sie im Familienalltag. Deshalb sollten Sie solchen Ratgebern auch nicht zu viel Gewicht beimessen. Denn das Wichtigste für Ihr Kind – ungeachtet von Detailfragen bei den Methoden – ist eine entwicklungsfördernde, kindgerechte sowie dem Kind zugewandte Erziehung, bei der seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Solange Sie nach diesem Grundsatz erziehen, sind Sie auf jeden Fall auf dem „richtigen“ Weg – und bieten Ihrem Kind alle Möglichkeiten, um sich nach seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Wünschen zu einer selbstbewussten Persönlichkeit zu entwickeln.