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Endlich wieder im Sattel: Motorrad fahren nach langer Pause

Motorrad fahren nach langer Pause

Motorradfahren ist Freiheit auf zwei Rädern – aber nur so lange, wie der Umgang mit der Maschine sicher und routiniert ist. Damit das auch nach einer längeren Zweiradpause gelingt, zeigen wir Ihnen, worauf es bei der Rückkehr in den Motorradsattel ankommt.

Wie beim Fahrradfahren


Fahrradfahren ist das redensartliche Paradebeispiel dafür, dass man bestimmte Fähigkeiten einfach nicht verlernen kann. Genauso verhält es sich mit dem Motorradfahren – wirklich verlernt haben Sie die notwendigen motorischen Fähigkeiten selbst dann nicht, wenn Sie für längere Zeit gar nicht gefahren sind.

Gedächtnis für die Motorik
Gedächtnis für die Motorik

Im Vergleich zum Fahrradfahren ist es jedoch etwas komplexer, ein Motorrad richtig zu bedienen – die Balance zu halten ist dabei nur ein Aspekt von vielen:

  1. Vorder- und Hinterradbremse werden getrennt voneinander bedient – und zwar eine mit dem Fuß und eine mit der Hand. Wer das Radfahren noch mit einem Fahrrad mit Rücktrittbremse gelernt hat, kennt das Prinzip.
  2. Die Füße – oder wenigstens einer – sind darüber hinaus noch anderweitig beschäftigt, denn die Schaltung der weitgehend sequentiellen Motorrad-Getriebe funktioniert ebenfalls per Fußbedienung.
  3. Beschleunigen, Abbremsen und das Durchfahren von Kurven verlangen deutlich mehr Anstrengung, wenn es um die Verlagerung des Körpergewichts geht – aber die ist notwendig.
  4. Das Fahrverhalten eines Motorrads ist völlig anders als etwa der eines Autos, deshalb braucht es viel mehr Feingefühl.

Dass die vielen notwendigen Automatismen nach einer längeren Sattelpause wenigstens am Anfang noch nicht wieder greifen können, ist aus einem Grund besonders beachtenswert – denn sie sind sicherheitsrelevant. Keine Knautschzone und eine sehr geringe Fehlertoleranz lassen sich nur ausgleichen, wenn Sie das Motorrad vollkommen sicher handhaben.

Deshalb ist es für Wieder-Einsteiger umso wichtiger, sich nicht auf frühere Fähigkeiten zu verlassen. Sie gefährden sonst sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Wer trotz längerer Pause direkt wieder losfahren möchte wie in alten Zeiten, sollte sich deshalb bremsen: Geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um wieder wirklich sicher im Sattel zu sitzen.

Körperlich fit für das Motorrad

Ohne ein Mindestmaß an körperlicher Anstrengung gibt es den Hauch der Freiheit des Motorradfahrens nicht. Daher sollten Sie sich fragen, ob Sie nach der Pause noch die körperlichen Voraussetzungen mitbringen, um mit dem Bike unterwegs zu sein.

Kraft und Reaktionsvermögen, die Sie unbedingt brauchen, haben möglicherweise gelitten. Je länger die Pause und je älter der Biker, desto wahrscheinlicher ist es, dass die zu erwartenden Anstrengungen mindestens ungewohnt sein werden.

Motorrad-Fans jenseits der 40, die möglicherweise sogar mehrere Jahre nicht mehr gefahren sind, sollten deshalb sicherheitshalber einen Check beim Hausarzt durchführen lassen.

Sprechen Sie den Wunsch, wieder Motorrad fahren zu wollen, konkret an und lassen Sie die Leistungsfähigkeit von Augen und Ohren sowie Ihre Reaktionsfähigkeit überprüfen. Ihr Arzt kann Ihnen dann sicher einige Empfehlungen geben, wie Sie schnell wieder fit genug für die nächste Motorrad-Tour werden.

Comeback im Sattel mit dem alten Bike

Wenn in der Garage noch das Motorrad auf Sie wartet, mit dem Sie vor Ihrer Pause unterwegs waren, ist das Vor- und Nachteil zugleich:

  • Vorteil, weil Sie sich die Feinheiten des Motorradfahrens auf einem bekannten Fahrzeug wieder aneignen können, dessen charakteristische Eigenschaften Sie noch kennen. Es gibt also keinen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad durch ein neues, noch unbekanntes Bike.
  • Nachteil, weil Sie davon ausgehen müssen, dass das Gefährt nach Jahren des Stillstands Überholungsarbeiten nötig hat. Auch Nichtbenutzung kann der Technik schaden.

Es gilt deshalb: Selbst bei vorhandenem Rest-TÜV sollten Sie Ihr Motorrad erst gründlich von der Werkstatt Ihres Vertrauens überprüfen lassen. Hatten Sie das Bike abgemeldet und müssen ohnehin für die Neuzulassung den Nachweis der bestandenen Hauptuntersuchung erbringen, können Sie dies gleich erledigen.

Dort sollten Sie das Bike technisch in Schuss bringen lassen: Neue Betriebsflüssigkeiten (Öle, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit) sind dabei das Minimum. Unter Umständen ist es sinnvoll direkt auch die Bowdenzüge und Teile der Bremsanlage (Scheiben, Bremsbeläge) erneuern zu lassen.


Darüber hinaus sollten Sie auch bei einer Standzeit von nur einigen Jahren sicherheitshalber die Reifen tauschen. Durch das lange Stehen haben die Pneus höchstwahrscheinlich einen „Standplatten“ ausgebildet. Der ist sicherheitsrelevant, weil er zumindest die Fahrvibrationen erhöhen wird.

Vorsicht bei Standplatten
Vorsicht bei Standplatten

Wagen Sie sich zu Ihrer und der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erst dann mit dem alten Motorrad wieder auf die Straße, wenn es in technisch einwandfreiem Zustand ist.

Comeback im Sattel mit einem neuen Bike

Für viele bedeutet die Fahrpause, das Motorrad zu verkaufen. Wenn Sie für den Wiedereinstieg ein neues Bike benötigen, sollten zwei Punkte unbedingt bedenken:

  • Die technische Entwicklung geht auch in der Motorradwelt immer weiter. Selbst wenn Sie Ihr „altes“ Modell in einer neuen Auflage finden sollten, wird es sich höchstwahrscheinlich erheblich anders fahren.
  • Vor Ihrer Pause waren Sie möglicherweise mit einer sportlichen und leistungsstarken Maschine unterwegs. Für die Rückkehr in den Sattel stellt sich aber die Frage, ob ein weniger PS-starkes Modell nicht – vorerst – ausreicht. Für Sie wird der Wiedereinstieg damit in jedem Fall einfacher.

Den zweiten Punkt sollten Sie vor allem dann ernstnehmen, wenn die Pause lang genug war, um sich auf Ihre körperliche Verfassung auszuwirken. Gerade am Anfang ist die Fahrposition vielleicht doch noch unangenehm und anstrengend – die Handhabung einer Sportmaschine bedeutet unter solchen Voraussetzungen nur zusätzliche Anstrengungen.

Für das Comeback im Sattel sollte es keine zu leistungsstarke Maschine sein.
Für das Comeback im Sattel sollte es keine zu leistungsstarke Maschine sein.

Die Fachwelt rät Wiedereinsteigern deshalb zum Kauf von Allrounder-Maschinen. Die bieten von allem ein bisschen, sind ebenso (leicht) sportlich wie reisetauglich, aber alltagstauglich und in Sachen Gewicht und Sitzhöhe beherrschbar. Der wichtigste Faktor dabei: Die zweirädrigen Alleskönner sind vor allem auf einfaches Fahren hin ausgelegt – genau richtig für das Comeback mit dem Motorrad.

Keine Kompromisse beim Thema Sicherheit

In vielen Fällen wird nicht nur das Motorrad, sondern auch gleich die alte Ausrüstung noch vorhanden sein. Ob die wirklich noch einsatztauglich ist, hängt allerdings von der Länge der Pause ab, die Sie sich und Ihrer Ausrüstung gegönnt haben.

Das Problem bei lange eingelagerten Motorradkombis, Handschuhen und Stiefeln: Das Material leidet, wenn es nicht regelmäßig gepflegt wird.

Leder beispielsweise wird ohne entsprechende Pflege spröde, rissig und unflexibel. Bekam. Das gilt in gleicher Weise für sämtliche Kunststoff-/Kunstfaserteile und damit vor allem die lebenswichtigen Protektoren – die verlieren durch Alterungsprozesse ihre Schutzwirkung.  


Im Zweifelsfall ist es deshalb empfehlenswert, nach einer längeren Pause nicht nur ein vorhandenes Motorrad, sondern auch die Klamotten auf den neuesten Stand zu bringen. Sicherheit geht immer vor – umso mehr, wenn Sie womöglich noch nicht wieder über die frühere Sicherheit auf dem Bike verfügen.

Schutzwirkung von Motorrad Helmen
Schutzwirkung von Motorrad Helmen

Zurück zu den Basics

So verlockend ein sonniges Wochenende für eine erste längere Spritztour auch erscheinen mag: Für den Anfang ist es ratsam, in kleinen Schritten wieder zurück in den Motorrad-Sattel zu finden.

Von langen Ausflügen sollten Sie jedenfalls vorerst absehen: Zum einen, um wieder gemächlich an Sicherheit beim Fahren zu gewinnen. Zum anderen, damit Ihr Körper sich langsam wieder an die Anstrengung gewöhnen kann.

Bevor es also wieder raus auf Ihre Lieblingsstrecken geht, sollten Sie einen Fahrübungsplatz, einen leeren Parkplatz oder eine wenig befahrene Nebenstraße ansteuern – hier können Sie in Ruhe noch einmal die Basics abrufen:

  • Das Anfahren. Achten Sie insbesondere darauf, Kupplung und Bremse richtig zu dosieren – und vergessen Sie nicht, Ihr Körpergewicht entsprechend zu verlagern.
  • Das Anhalten. Auch richtiges Bremsen und Stehenbleiben will gelernt. Dazu gehört in erster Linie, in einer normalen Verkehrssituation bis zum Stillstand abzubremsen und die Füße richtig einzusetzen, um das Bike zu stabilisieren – ganz so, wie es an jeder roten Ampel notwendig ist.
  • Die Lage der Bedienelemente. Beim Fahren müssen Sie genau wissen, wo diese Elemente liegen – Sie werden keine große Gelegenheit haben, sie immer wieder zu suchen.
  • Das eingeschränkte Sichtfeld. Schon der Helm verändert den Sichtbereich im Vergleich zum Auto, dazu sind die Spiegel anders angebracht – alles Faktoren, an die Sie sich wieder gewöhnen sollten.

Trainieren Sie auch, wie Sie am besten Kurven durchfahren und vergessen Sie außerdem nicht, das Verhalten von Ihnen und Ihrer Maschine bei einer starken Bremsung aus voller Fahrt zu üben.

Lassen Sie nicht zu, dass Ihre früheren Erfahrungen auf dem Motorrad dazu führen, Ihre Fähigkeiten zu überschätzen – oder grundlegende Übungen als Angelegenheit für Anfänger abzutun.

Immerhin geht es um die Sicherheit im Verkehr – und von dem sollten Sie möglichst Abstand halten, solange Sie mit Ihrer Maschine nicht wieder absolut vertraut sind.

Stichwort Fahrtraining

Als sinnvolle Ergänzung zu den eigenen Versuchen, die frühere Leichtigkeit beim Biken wiederzugewinnen, bieten sich professionelle Fahrsicherheitstrainings an.

Die werden unter anderem von einigen Motorradhersteller durchgeführt. Ansonsten gibt es die Möglichkeit auch beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, dem ADAC sowie einer Reihe von privaten Trägern. Zum Angebot gehören vielfach auch Kurse, die sich speziell an Wiedereinsteiger richten.

Richtiges Verhalten in verschiedensten Situationen – beim Fahrsicherheitstraining bekommen Sie genau das vermittelt.
Richtiges Verhalten in verschiedensten Situationen – beim Fahrsicherheitstraining bekommen Sie genau das vermittelt.

Die Kurse sind kostenpflichtig, der ADAC zum Beispiel verlangt rund 120 Euro für die Teilnahme. Das Geld ist aber gut investiert: Unter professioneller Anleitung können Sie mit Ihrer (neuen) Maschine in verschiedensten Situationen die alte Sicherheit wiedergewinnen.

Grundsätzlich sind die Fahrsicherheitstrainings eine sehr gute Möglichkeit, um fahrerische Grundlagen aufzufrischen – nicht nur nach langjähriger Pause, sondern auch für all diejenigen, die das Motorrad nicht ganzjährig nutzen.

Langsam zurück auf die Straße

Beim Motorradfahren geht es nicht nur um das Gefühl der Freiheit – es geht auch darum, dieses Gefühl mit Gleichgesinnten zu teilen. Wer früher in Gruppen unterwegs war, wird deshalb dieses Gemeinschaftserlebnis vermissen.

Wiedereinsteiger sollten zu Beginn dennoch geduldig bleiben und sich die Frage stellen, ob Sie in einer Gruppe regelmäßig fahrender, routinierter Biker schon mithalten zu können. Unter Umständen zwingt Sie die Fahrt in der Gruppe dazu, an Ihre persönlichen Grenzen zu gehen.

Das verdirbt Ihnen nicht nur den Spaß, sondern ist darüber hinaus gefährlich. Sie erhöhen unnötig das Unfallrisiko für sich und die übrigen Gruppenmitglieder. Schließen Sie sich deshalb erst wieder einer Gruppe an, wenn Sie einige Touren alleine gemacht haben. So können alle gemeinsam die Freiheit auf ihren Motorrädern genießen und zwar mit größtmöglicher Sicherheit.